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News - Brennerei-Eröffnung - Lagerkorn als Digestif auf dem Vormarsch
Brennerei-Eröffnung - Lagerkorn als Digestif auf dem Vormarsch
02.05.2998
Schöppingen - Großer Bahnhof im Künstlerdorf Schöppingen: 500 geladene Gäste waren Ende April angereist, um in der traditionreichen Brennerei Sasse die offizielle Eröffnung der hauseigenen Destille zu feiern. Im Januar erst war die Anlage unter den kritischen Augen des Fiskus in Betrieb genommen worden – jetzt endlich konnten die ersten Ergebnisse des edlen Digestifs gekostet werden.
Nimmt man die Resonanz der anwesenden Gastronomen zum Maßstab, dürfte sich die mutige und einmalige Entscheidung lohnen. Denn während landauf und landab andere Betriebe reihenweise ihre Brennblasen abgebaut und verschrottet haben, ist man bei Sasse der Qualität wegen den umgekehrten Weg gegangen. Die Gastronomen aus dem Münsterland wissen um die hervorragende Qualität der Edelspirituosen aus dem Hause Sasse. Vor allem der Münsterländer Lagerkorn findet als Digestif immer mehr begeisterte Anhänger.
„Wir haben 15 Jahre hart gearbeitet“, erklärte Juniorchef Rüdiger Sasse in seiner Rede, „um 100 Jahre zurückzukommen.“ Schließlich besaß die traditionsreiche Brennerei Sasse in früheren Jahren schon einmal eine eigene Destille. Doch erst durch die zufällige Wiederentdeckung einer alten Flasche Lagerkorn aus dem eigenen Haus kam Rüdiger Sasse auf die Idee, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen und die Destillate für die Edelbrände wieder selbst herzustellen.
Und so lobte Seniorchef Ernst Sasse in seiner Rede seinen Sohn für dessen Engagement, aber auch den Mut, seinem Traum zu folgen und gegen den Trend der letzten Jahre alles wieder im eigenen Hause zu produzieren. Dem konnten sich auch die anwesenden Offiziellen des Verbandes der deutschen Spirituosen-Indstrie voll und ganz anschließen.
In kleine Gruppen eingeteilt, konnten sich die Festgäste während eines „Circuit Trainings” einen Einblick in die Produktion verschaffen. An zehn verschiedenen Fertigungsstufen erklärte jeweils ein Sasse-Mitarbeiter die Arbeitsschritte, verbunden mit einer kleinen Aufgabe für die Gruppe. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz.
Im neuen Herzstück des Betriebs, dem Feinbrennapparat aus Kupfer, galt es etwa den Alkoholgehalt sowie die Temperatur des Destillats zu messen. Im Fasslager, wo die edlen Brände im traditionellen Cognacbarrique ausgebaut werden und über mindestens drei Jahre reifen, mussten über einen Schlauch genau 200 Milliliter des berauschenden Guts abgefüllt werden.
Zuletzt hieß es an Station zehn, einen Korn, einen Weinbrand und einen Wacholder allein am Geschmack zu erkennen. Eine Aufgabe, der sich die fachkundigen Gastronomen gerne stellten – und Geschmack bewiesen.
Bei der unterhaltsamen Betriebsbesichtigung wurde schnell deutlich, dass man in der Manufaktur Sasse auf traditionelle Verfahren setzt. Edelstahl wurde weitestgehend aus der Brennerei verbannt, um die Destillate möglichst lange der positiven Wirkung des Kupfers auszusetzen. „Wir haben in den letzten Jahren zu unseren Wurzeln zurückgefunden“, erklärt Rüdiger Sasse das Geheimnis des Familienbetriebes. „Als einzige Kornbrennerei Deutschlands haben wir wieder eine kupferne Roh- und Pot-Still Brennerei aufgebaut.“
Heute können so in der eigenen Brennerei 100.000 Liter Feinalkohol pro Jahr gewonnen werden. Im Fasslager reifen bereits etwa drei Mio. Einheiten für ihren Einsatz. Jährlich verlassen etwa 40.000 Flaschen „Münsterländer Lagerkorn“, die Spezialität des Hauses, Schöppingen in Richtung Genießer.
Im eigens aufgebauten Festzelt gab es nach der Betriebsbesichtigung reichlich Raum für Kostenproben der unterschiedlichsten Art, von Kuchen und Kaffee bis zum Korn. Ein charmant und klug gestalteter Vortrag des Schweizer Multitalents und Unternehmensberaters Beat Krippendorf – unter anderem Präsident von 70 Hotels – zum Thema Kundenorientierung sorgte zudem nicht nur für neue Einsichten, sondern auch für beste Laune.
Die münsterländischen Köstlichkeiten an den vier verschiedenen Buffets sowie vier Stände mit unterschiedlichen regionalen Biersorten trugen ebenfalls zu einer Feststimmung bei, wie sie sich Ernst und Rüdiger Sasse nicht besser hätten wünschen können.
Foto: Seniorchef Ernst Sasse erklärt den interessierten Gästen die Reifung des Korns in alten Barriquefässern.